Nach dem ersten tollen Tag war dem zweiten ehrlich gesagt nicht allzu viel abzugewinnen - wobei er eigentlich sehr vielversprechend begonnen hat...
Wir sind bei bestem Wetter an der Küste losgefahren und bis zur Hafenstadt Tekirdağ verlief die Straße in traumhaften Kurven und toller Landschaft. In Tekirdağ haben wir am Hafen ein Frühstück bestellt, das vorerst nur aus einem Tee, einem türkischen Mokka und zwei unspannenden Käsetoasts bestand. Kurz darauf kam aber ein Börek-Verkäufer und das Frühstück wurde mit köstlichen frischen Hackfleisch- und Käseteilchen ergänzt. Eine der streunenden Katzen hatte Glück und bekam etwas vom Käse und ein Rosenverkäufer konnte auch von der guten Laune profitieren.
Danach wurde es zäh. Mit erlaubten 70 km/h (die auf dem Tacho eher nach 80 aussahen), sind wir die zwei- bis dreispurige Schnellstraße entlang getuckert und wurden sogar von den LKWs überholt. Auch die Autobahn brachte nicht unbedingt eine Besserung. Hier dürfen Motorräder 80 km/h fahren, wodurch man immerhin mit den LKWs mithalten kann, der Verkehr geriet aber schon bald ins Stocken. Für die Aussicht von der Bosporus-Brücke hatten wir jede Menge Zeit. Keine Ahnung wer auf die Idee kommt zwei Stadthälften einer Stadt mit über 14 Millionen Einwohnern mit nur zwei Brücken zu verbinden. Und wir waren mitten in der Woche, mitten am Tag unterwegs. Ich möchte nicht wissen, wie es hier zu Stoßzeiten aussieht. Stunde um Stunde schoben wir uns im Schritttempo an Istanbul vorbei. Auch danach wurde es nicht schneller, nur staubiger. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass der Verkehr eine Weile steht, sind übrigens die Straßenverkäufer, die zwischen den vielen Spuren mitten auf der Straße stehen und Brotkringel, Wasser, Waffeln, Bananen usw. verkaufen. Und von denen haben wir heute einige passiert.
Nach einer Pause in irgendeinem Nest an der Straße in Richtung Ankara war klar, dass wir unser eigentliches Ziel, die Schwarzmeerküste, heute nicht mehr erreichen. Für heute Nacht haben wir uns ein Zimmer in einem Hotel gesucht. Das Zimmer ist okay, die Dusche warm und wir freuen uns auf morgen.
Ach ja - zum Abendessen gab es Iskender Kebab: dünn geschnittenes Fleisch auf angebratenem Fladenbrot mit einer Art Tomatensoße. Auf der Mitte der Platte sitzt ein ordentlicher Berg saure Sahne und dann kommt der Kellner mit kochender Butter und begießt das Ganze reichlich. Okes Kommentar: Warum soll es uns schlecht gehen ;o)
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Dienstag, 13. Mai 2014
Grenze Nr. 1
Montag, 12. Mai 2014
Heute Morgen waren wir um halb zehn bei der Spedition und keine Stunde später waren die Motorräder gepackt und wir auf der Straße. Eine kleine Hürde galt es zu überwinden. Evis Batterie war zu schwach um zu starten, aber die netten Jungs von der Spedition hatten schnell eine Auto vorgefahren und die Batterie war ruck-zuck überbrückt.
Unser Weg heute war gesäumt von Mohnblumen und Olivenbäume. Mal führte die gut ausgebaute Autobahn durch die Hügel, mal am Meer entlang. Nach ein paar Stunden und einer Mittagspause in einer kleinen griechischen Taverne mit hervorragendem Mittagessen waren wir an der türkischen Grenze. Es ist immer wieder ein merkwürdiges Gefühl ein ums andere Mal die Papiere vorzulegen und darauf zu hoffen dass nichts passiert, was den Aufenthalt an der Grenze verlängern könnte. Aber es war alles gar kein Problem. Keine Fragen nach Drogen oder Waffen, kein Ausräumen der Koffer oder Aufforderungen den Luftfilter aufzuschrauben.
In der Türkei wurde es anfangs etwas langweilig. Mit dem Motorrad darf man hier nur 70 km/h fahren – mit dem Auto 90. Kurz bevor wir eingeschlafen sind, bogen wir von der Hauptstraße ab und wurden mit kleinen Straßen durch die Hügel zum Meer belohnt. Freundlich nickende Schaf- und Ziegenhirten und sehr entspannte große Hirtenhunde waren ein guter Tausch gegen überholende Autos und LKWs.
Jetzt liegen wir in unserem Zelt auf einem kleinen Zeltplatz am Marmarameer und lauschen den Wellen. Noch wirkt die Küste sehr verschlafen, es ist aber schon zu erahnen, dass im Sommer viele – vor allem türkische Touristen – die Häuser und Strände füllen. Der Muezzin tönt aus irgendeinem Lautsprecher, die Mücken klopfen von außen ans Zelt – Zeit für die erste Nacht in der Türkei.
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