Was für ein Tag. ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll.
Almaty, 8.30 Uhr, 33°C, wir starten Richtung Astana. Die erste Stunde ist zäh wie Kaugummi. Wir schaffen gerade mal 20 Kilometer bis das Navi fragt, ob es in den Fußgängermodus umschalten soll. Danach läuft es aber einigermaßen und wir kommen gut voran. Wir rechnen mit einem langen und heißen Tag in der Steppe, vorbei an Kamelen und Pferdeherden. Aber da haben wir die Rechnung ohne die kasachische Steppe gemacht.
Zuerst sieht alles planmäßig aus. Links und rechts Steppe, jede Menge Trampeltiere und der altbekannte heiße Wind von der Seite, der die Nackenmuskulatur zu Stein werden lässt. Am Balkash-See dann die erste Wende, der Wind wechselt die Seite, kommt jetzt vom See und die Temperatur fällt spontan von 38°C auf 28°C. Der Himmel ist ein wenig verhangen - ganz angenehm eigentlich. Während wir bei Nudelsuppe und Kohlrouladen eine Pause einlegen, zieht urplötzlich ein Gewitter auf und es schüttet so sehr, dass sich der Parkplatz in wenigen Minuten in einen See verwandelt. Wir warten ab, bis das Wasser im Sandboden versickert ist und fahren weiter. Die Temperaturen liegen jetzt nur noch bei knapp über 20°C, also besser anhalten und wärmer anziehen. Der Wind kommt inzwischen wieder aus der alten Richtung und pustet was das Zeug hält. Das Gepuste bewirkt auch, dass mein Motorrad ungewöhnlich viel Sprit braucht. Der nächste ausgeschriebene Ort ist genau zwei Kilometer zu weit, mein Motorrad bleibt stehen. Da meine mobile grüne Tankstelle nicht weit ist, ist das Problem aber schnell behoben. Für's Erste! Der ausgeschriebene Ort ist nur eine Ansammlung von Häusern, keine Tankstelle weit und breit. Also noch einmal anhalten, den Schnellverschluss der Benzinleitung öffnen und nachtanken. Der Wind ist inzwischen eher ein Sturm und wir müssen ganz schön dagegen halten, um nicht von der Straße in die Steppe gepustet zu werden. Die nächste Stadt ist noch 40 km entfernt.
An der ersten Tankstelle, die wir passieren, winkt der Tankwart und zeigt eindeutig, dass es bei ihm heute kein Benzin mehr gibt. Die nächste Tankstelle sieht vielversprechend aus, hier ist aber gerade der Strom ausgefallen. Nach 10 Minuten Wartezeit beschließen wir es doch zu riskieren und weiter zu fahren. Zur Not müssen wir noch ein drittes Mal die Wasserflasche bemühen. Die dritte Tankstelle hat endlich Strom und Benzin und beide Motorräder sind schnell randvoll getankt. Inzwischen ist es bereits nach 19 Uhr. Eigentlich wollten wir zelten, aber das hat sich aufgrund des Wetters schon lange erledigt. Ein weiterer Grund die Stadt Balkash anzusteuern ist aber, dass wir uns dringend noch registrieren lassen müssen. Nicht dass wir gerade drei Tage in Almaty waren, dort jede Menge Zeit hatten und sogar die Hilfe eines Einheimischen hätten in Anspruch nehmen können. Nein - auf dem Weg durch die Steppe fällt mir ein, dass wir dringend diese Registrierung brauchen. Reist man auf dem Touristenweg per Flieger nach Kasachstan ein, dann bekommt man zwei Stempel auf die Migrationskarte. Damit darf man sich 30 Tage im Land aufhalten, ohne sich um eine Registrierung kümmern zu müssen. Reist man aber auf dem Landweg ein, bekommt man nur einen Stempel, den zweiten muss man sich innerhalb von fünf Tagen organisieren. Und heute ist der vierte Tag! Naja, der Reiseführer spricht von einem nicht ganz einfachen Prozedere, um den notwendigen Stempel zu erhalten, mal sehen wie wir das hinkriegen. Grundsätzlich bekommt man diesen Stempel in Hotels, Reisebüros oder bei der örtlichen Miliz (je nachdem was man ausgeben will).
Unser Plan: Zuerst einmal das örtliche Hotel ansteuern, das direkt gegenüber der Miliz liegt und morgen früh sehen wir weiter. Die Auskunft heute Abend war: kommen Sie um 8 Uhr zur Miliz, dann bekommen Sie den Stempel. Ob das so einfach wird.
Vorerst liegen wir in trockenen Betten in einem Hotel, das den guten alten sowjetischen Charme versprüht und draußen tobt das Gewitter über der eigentlich erwarteten sommerlichen Steppe.