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Sonntag, 15. Juli 2012
Zu Hause
Schön, dass so viele von Euch unsere Reise begleitet haben. Einen schönen Sonntag noch und bis bald! Wir freuen uns Euch mal wieder live zu treffen.
Samstag, 14. Juli 2012
Alles hat ein Ende
Der heutige Tag war noch einmal voll von Eindrücken. Heute Morgen noch buntes Strandtreiben in Baraboi, dann die 4-stündige Fahrt in einer bis zum Rand gefüllten Stadtbahn nach Astana und am Abend ein Spaziergang über die Uferpromenade der neonbeleuchteten Hauptstadt Kasachstans. Unsere Köpfe sind kaum noch in der Lage neue Bilder zu verarbeiten, die Speicher sind voll. Auch wenn die Wetterwarnungen uns ein wenig zögern lassen, wir freuen uns auf zu Hause. In den letzten vier Wochen hatten wir Temperaturen zwischen -1°C und +40°C, Sonne, Regen, Hagel, Schnee, Berge, Täler, Flüsse, Steppen und Wälder. Wir haben die Großstädte Zentralasiens gesehen, den Hirten in den Bergen gewunken, einige Grenzen und noch mehr Kontrollposten überquert und viele nette Menschen getroffen. Unsere tapferen Pferdchen haben uns 8.000 Kilometer durch vier Länder getragen und wir freuen uns darauf, Euch all die kleinen Geschichten von unterwegs zu erzählen.
Freitag, 13. Juli 2012
Die kasachische Schweiz
Der Kreis schließt sich. Wir sind wieder in Baraboi, wo wir schon unsere erste Nacht vor fast vier Wochen verbracht haben. Baraboi ist ein in ganz Kasachstan bekanntes Feriengebiet, das auch als kasachische Schweiz bezeichnet wird. Hier gibt es große Bade-Seen, rundherum tolle Wälder, Hügel und Felsformationen. Wer gerne wandert ist hier sicher goldrichtig. Die Leute am Strand sehen allerdings eher nach der Spezies Brathähnchen aus und sportliche Aktivitäten haben sie sicher nicht im Sinn. Das letzte Mal war das Örtchen noch recht ruhig, dieses Mal sind alle Hotels voll und wir haben Mühe ein Zimmer zu finden. Wir spazieren über den Markt und gehen durch einen kleinen Wald zum See. Hier gibt es einen Hochseilgarten, Hüpfburgen für die Kinder, Tattoo-Stände, Luftmatratzen zum Ausleihen, Tretboote und zwischen all den Leuten kaum noch Platz für die Möwen, die versuchen etwas von den Picknick-Resten zu ergattern.
In einem netten Restaurant auf dem Markt essen wir – in einer Art Hollywoodschaukel – zu Abend und genießen unseren vorletzten Urlaubstag. Morgen müssen wie die Motorräder wieder auf Ihren Paletten fesseln und die Heimreise antreten. Laut Spedition soll der Transport nach Deutschland schon nächste Woche starten. Das lässt ja tatsächlich darauf hoffen, dass wir dieses Mal nicht den Rest des Sommers ohne die Motorräder verbringen müssen.
Mittwoch, 11. Juli 2012
Zettelwirtschaft
Um 8 Uhr waren wir pünktlich beim Pförtner der örtlichen Miliz und haben unser Anliegen vorgetragen. Seine Antwort: Vor 9 Uhr ist keiner da, kommen Sie in einer Stunde wieder. Na toll! Nach einem Spaziergang durch das noch sehr verschlafene Städtchen und einem Besuch beim Bankautomaten standen wir um 9 Uhr wieder beim Pförtner. Dieses Mal wurden wir in ein dickes Buch eingetragen und durften rein. Leider war die Tür zum Migrationsbüro aber noch verschlossen. Neue Auskunft: Vielleicht um 10 Uhr. Irgendwann zwischen 10 und halb elf wurde die dicke Stahltür dann endlich geöffnet und wir durften rein. Wir mussten einen Zettel ausfüllen der auch gleich bearbeitet wurde, es fehlte aber eine Bestätigung des Hotels, dass wir auch wirklich dort übernachtet haben. Zum Glück lag das Hotel ja direkt gegenüber, also schnell hin und Zettel abholen (die Dame dort wusste zum Glück was wir brauchen - warum Sie uns den Zettel nicht gleich gegeben hat als wir gesagt haben, dass wir die Registrierung brauchen - keine Ahnung).
Naja, unser Migrationszettel wurde mit ein paar Eintragungen ergänzt und wir dachten schon, dass wir es geschafft haben. Aber weit gefehlt - den wichtigen Stempel hat nur die Chefin und wann die kommen würde wusste keiner. Bitte setzen Sie sich und warten Sie ein bisschen. Einige der Mitwartenden verloren mit der Zeit die Geduld, gaben Ihren Zettel ab und wollten morgen wiederkommen um ihn abzuholen. Nichts für uns - wir wollten heute noch nach Astana. Um halb zwölf kam dann endlich eine ziemlich mies gelaunte Dame in Uniform und hat den begehrten Stempel auf unser Papier gehauen. Und das Beste: keiner hat nach Geld gefragt. Eine ganz neue Erfahrung in Kasachstan. Hier geht sonst nix ohne zumindest den Versuch zu starten ein paar Dollar oder Euro einzusacken.
Eins muss man sich bei Reisen in die Staaten der ehemaligen Sowjetunion merken: Zettel regieren die Welt! Überall ist man auf diese Dinger angewiesen: bei der Einreise, bei der Ausreise, an der Pass-, Zoll- und Fahrzeugkontrolle, zum Frühstück im Hotel und und und. Manchmal sind sie winzig klein und haben nicht mal Platz für einen Stempel, aber ohne geht gar nichts. Für den heutigen Zettel inklusive Stempel haben wir zwar den halben Tag verloren, aber wir haben es noch bis Astana geschafft. Jetzt sind es nur noch 250 km bis nach Schutschinsk, wo wir unsere Motorräder wieder für den Heimtransport abgeben.
Dienstag, 10. Juli 2012
Erstens kommt es anders...
Almaty, 8.30 Uhr, 33°C, wir starten Richtung Astana. Die erste Stunde ist zäh wie Kaugummi. Wir schaffen gerade mal 20 Kilometer bis das Navi fragt, ob es in den Fußgängermodus umschalten soll. Danach läuft es aber einigermaßen und wir kommen gut voran. Wir rechnen mit einem langen und heißen Tag in der Steppe, vorbei an Kamelen und Pferdeherden. Aber da haben wir die Rechnung ohne die kasachische Steppe gemacht.
Zuerst sieht alles planmäßig aus. Links und rechts Steppe, jede Menge Trampeltiere und der altbekannte heiße Wind von der Seite, der die Nackenmuskulatur zu Stein werden lässt. Am Balkash-See dann die erste Wende, der Wind wechselt die Seite, kommt jetzt vom See und die Temperatur fällt spontan von 38°C auf 28°C. Der Himmel ist ein wenig verhangen - ganz angenehm eigentlich. Während wir bei Nudelsuppe und Kohlrouladen eine Pause einlegen, zieht urplötzlich ein Gewitter auf und es schüttet so sehr, dass sich der Parkplatz in wenigen Minuten in einen See verwandelt. Wir warten ab, bis das Wasser im Sandboden versickert ist und fahren weiter. Die Temperaturen liegen jetzt nur noch bei knapp über 20°C, also besser anhalten und wärmer anziehen. Der Wind kommt inzwischen wieder aus der alten Richtung und pustet was das Zeug hält. Das Gepuste bewirkt auch, dass mein Motorrad ungewöhnlich viel Sprit braucht. Der nächste ausgeschriebene Ort ist genau zwei Kilometer zu weit, mein Motorrad bleibt stehen. Da meine mobile grüne Tankstelle nicht weit ist, ist das Problem aber schnell behoben. Für's Erste! Der ausgeschriebene Ort ist nur eine Ansammlung von Häusern, keine Tankstelle weit und breit. Also noch einmal anhalten, den Schnellverschluss der Benzinleitung öffnen und nachtanken. Der Wind ist inzwischen eher ein Sturm und wir müssen ganz schön dagegen halten, um nicht von der Straße in die Steppe gepustet zu werden. Die nächste Stadt ist noch 40 km entfernt.
An der ersten Tankstelle, die wir passieren, winkt der Tankwart und zeigt eindeutig, dass es bei ihm heute kein Benzin mehr gibt. Die nächste Tankstelle sieht vielversprechend aus, hier ist aber gerade der Strom ausgefallen. Nach 10 Minuten Wartezeit beschließen wir es doch zu riskieren und weiter zu fahren. Zur Not müssen wir noch ein drittes Mal die Wasserflasche bemühen. Die dritte Tankstelle hat endlich Strom und Benzin und beide Motorräder sind schnell randvoll getankt. Inzwischen ist es bereits nach 19 Uhr. Eigentlich wollten wir zelten, aber das hat sich aufgrund des Wetters schon lange erledigt. Ein weiterer Grund die Stadt Balkash anzusteuern ist aber, dass wir uns dringend noch registrieren lassen müssen. Nicht dass wir gerade drei Tage in Almaty waren, dort jede Menge Zeit hatten und sogar die Hilfe eines Einheimischen hätten in Anspruch nehmen können. Nein - auf dem Weg durch die Steppe fällt mir ein, dass wir dringend diese Registrierung brauchen. Reist man auf dem Touristenweg per Flieger nach Kasachstan ein, dann bekommt man zwei Stempel auf die Migrationskarte. Damit darf man sich 30 Tage im Land aufhalten, ohne sich um eine Registrierung kümmern zu müssen. Reist man aber auf dem Landweg ein, bekommt man nur einen Stempel, den zweiten muss man sich innerhalb von fünf Tagen organisieren. Und heute ist der vierte Tag! Naja, der Reiseführer spricht von einem nicht ganz einfachen Prozedere, um den notwendigen Stempel zu erhalten, mal sehen wie wir das hinkriegen. Grundsätzlich bekommt man diesen Stempel in Hotels, Reisebüros oder bei der örtlichen Miliz (je nachdem was man ausgeben will).
Unser Plan: Zuerst einmal das örtliche Hotel ansteuern, das direkt gegenüber der Miliz liegt und morgen früh sehen wir weiter. Die Auskunft heute Abend war: kommen Sie um 8 Uhr zur Miliz, dann bekommen Sie den Stempel. Ob das so einfach wird.
Vorerst liegen wir in trockenen Betten in einem Hotel, das den guten alten sowjetischen Charme versprüht und draußen tobt das Gewitter über der eigentlich erwarteten sommerlichen Steppe.
Montag, 9. Juli 2012
Sharyn-Canyon
Wir sind zum 200 km entfernten Sharyn-Canyon gefahren, dem kleinen Bruder des Grand Canyon. Der Sharyn-Fluss hat eine schicke Schlucht in das umgebende Gestein gewaschen und obwohl sich der Canyon in der Größe nicht ganz mit seinem amerikanischen Bruder messen kann, sieht man hier ähnlich bizarre Felsformationen.
Auf der Hinfahrt war der Himmel verhangen, die Sicht schlecht, die Temperaturen mit knapp unter 30°C aber recht angenehm. Auf der Rückfahrt hat dann aber wieder der Poppes gebrannt - wahrscheinlich als kleiner Vorgeschmack auf die 1.500 km Steppe, die jetzt in Richtung Astana wieder vor uns liegen.
Samstag, 7. Juli 2012
Kasachstan hat uns wieder
Gestern (6. Juli 2012) haben wir die usbekisch-kasachische Grenze passiert. Bei den Usbeken haben wir brav alle Papiere ausgefüllt, das Gepäck geöffnet und die Drogen-Cockerspaniel gestreichelt. Die Ausreise war unkompliziert. Die Einreise in Kasachstan war eigentlich auch unkompliziert. Die Jungs hatten es zum Glück etwas eilig, da die Grenze um 19 Uhr schließt. Die Papiere, mit denen wir bei der Ausreise aus Kasachstan Ärger hatten, haben wir nicht gezeigt. Jetzt haben wir neue Papiere für die Motorräder, die sich mit den alten nicht wirklich vertragen. Naja, mal sehen, wie wir diesen Knoten wieder lösen. Kurz bevor wir gehen durften, wurde noch nach einem 50-Dollar-Souvenir für die Beamten gefragt. Die Jungs können es einfach nicht lassen ...
Heute (7. Juli 2012) haben wir die 870 Kilometer nach Almaty in einem 14-stündigen Gewaltritt hinter uns gebracht. Außer einer ganzen Menge Nichts" gibt es auf der Strecke nichts zu sehen. Links liegt die Steppe, rechts die Berge, die man im Dunst aber nur erahnen kann. Die Luft ist heiß, trocken und staubgesättigt. Unterbrechungen gab es wenige. Wir hatten einen kurzen Reparaturstopp: nachdem Oke in Samarkand schon meinen gebrochenen Kofferhalter geflickt hat, haben jetzt die Befestigungsschrauben meiner Scheinwerfer beschlossen ihr Leben in Zentralasien zu verbringen, sind still und heimlich abgesprungen und mussten ersetzt werden ein freundliches Gespräch mit der hiesigen Polizei: wir sind zu schnell gefahren und die Jungs wollten kassieren; da wir ja aber auf der Hinreise schon Lehrgeld bezahlt haben, sind wir inzwischen gewiefter und konnten uns rausreden und eine Mittagspause mit Lagman (Nudelsuppe).
Jetzt sind wir in Almaty in einem netten Hotel (das wir von der Hinfahrt schon kennen), haben eine Dusche, eine Klimaanlage und sehr bequeme Betten. Morgen ist dann ausschlafen, rumfaulen, schlendern und lecker essen angesagt.
Donnerstag, 5. Juli 2012
Touristen
Es hätte schlimmer kommen können: Samarkand – eine der ältesten Städte der Seidenstraße, Sonne, nettes Hostel, gutes Frühstück…
Wir haben uns heute unauffällig unter die Touristen gemischt und sind die Sehenswürdigkeiten der Stadt abgelaufen. Zuerst waren wir auf dem Bazar und danach bei den verschiedenen Prachtbauten, die alle zu Fuß zu erreichen sind. Viel zu sagen gibt es dazu eigentlich nicht – ich denke die Bilder sprechen für sich.
Ach ja – eine Geschichte gibt es aber doch zu erzählen: die tadschikisch-usbekische Grenze (4. Juli 2012).
Ankunft 11.15 Uhr. Die Tadschiken waren relativ freundlich. Zuerst wurden wir beim Zoll ausgetragen, dann dem Veterinär vorgestellt. Der Mann im weißen Kittel sagte: „Guten Tag, ich bin Dr. Veterinär". Ich antwortete: „Guten Tag, ich bin Dr. Biologin." Er grinst, reicht mir die Hand (was in Tadschikistan nicht üblich ist, hier schütteln sich nur Männer die Hände), dann ein tiefer Blick in unsere Augen und er macht es sich wieder auf seinem Bett bequem, das direkt hinter dem Schreibtisch steht. Der Fernseher röhrt und wir werden zum nächsten Schreibtisch geschickt. Dort gab es ein paar Diskussionen, da uns irgendeine Immigrationskarte gefehlt hat, zum Schluss durften wir aber ohne weitere Verzögerungen gehen. „Schön, dass Ihnen unser Land gefallen hat, bitte kommen Sie wieder." Soviel zur tadschikischen Seite.
Von der usbekischen Seite hatten wir vorher schon einiges gehört. Zeitangaben von bis zu vier Stunden Wartezeit machten die Runde. Auf dem kurzen Weg durch das Niemandsland sahen wir zwei Radfahrer, die im Schatten von ca. 10 Polizisten umringt auf dem Boden saßen. Kein gutes Zeichen. An der ersten Passkontrolle wurden wir durchgewunken. Deutschland – ah – auf Wiedersehen!" Dann die Zollkontrolle. Die Zettel, die man für die Einreise benötigt, kannten wir schon aus Russland und es gab eine englische Vorlage, kein Problem also. Der nette Beamte konnte ein wenig englisch und Pässe und Fahrzeugscheine wechselten die Hände. Als nächstes wurden wir gebeten unser Gepäck von den Motorrädern zu holen und durch den Scanner zu schieben. Alles? Na gut, alles was einigermaßen abnehmbar und tragbar ist. Das kriegen wir hin. Wir durch, Gepäck durch, nur die Motorräder fehlen noch. Aufsteigen, losrollen – Stopp! Die Motorräder mussten noch kontrolliert werden. Und dann ging das filmreife Schauspiel los. Zwei Beamten wuselten um die Motorräder, wobei dem einen relativ wurscht war, wie die Motorräder aussahen. Er hat uns immer nett zugegrinst und wäre am liebsten wieder in sein Kabuff verschwunden. Der andere hat es dafür umso genauer genommen. Wir mussten alles aufmachen. Oke durfte den Luftfilter öffnen und bei mir mussten wir die Verkleidung zur Batterie lösen und die Abdeckung des hinteren Scheinwerfers abschrauben. Jedem Griff ans Motorrad folgte ein kontrollierender Blick in unser Gesicht. Ist unseren Augen abzulesen, dass er jetzt eventuell einem Drogenversteck zu nahe kommt? Am Ende wurde der nette kleine Drogen-Cockerspaniel noch einmal über die Maschinen geschickt und der Beamte war endlich zufrieden, obwohl noch immer misstrauisch, ob es vielleicht doch ein Versteck gegeben hat, das ihm oder seinem Hund entgangen sein könnte.
Noch ein letzter Stopp, bei dem die Fahrzeugpapiere kontrolliert und registriert wurden und dann waren wir durch. Abfahrt 13.45 Uhr. Fazit: Die Jungs nehmen es ganz schön genau. Das alles ist keine Schikane, sondern nur die strikte Kontrolle als Maßnahme gegen den Drogenhandel. Die gute alte Seidenstraße ist noch immer eine sehr aktive Handelsstraße.
Mittwoch, 4. Juli 2012
Konibodom
Unser letzter Abend in Tadschikistan – dem Hauptziel unserer Reise, das all unsere Erwartungen erfüllt bzw. übertroffen hat.
Nach einer Nacht in einem netten Camp an einem Bergsee auf 2.200 Metern sind wir gestern Abend in Konibodom bei Jo angekommen. Jo baut dort in einem Entwicklungshilfeprojekt der GIZ (Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit) eine Schule für Bauberufe auf. Wir sind super herzlich bei Jos „Gasteltern" aufgenommen worden. Es gab Plov (tadschikisches Nationalgericht – eine Art Reispfanne) und Melone und wir hatten einen netten Abend auf dem Tapčan (sieht aus wie ein großes Holzbett mit Matten zum Sitzen und einem kleinen Tisch, an dem gegessen und getrunken wird).
Heute haben wir zusammen mit einem Übersetzer und der Direktorin der Schule alles gezeigt bekommen. Sehr beeindruckend, wie aus dem Nichts mit viel Motivation und Einsatz eine Schule für Erwachsenenbildung entstanden ist. Außer Jos Kursen finden dort bereits Seminare für Schweißer, Elektriker, Buchhalter, Näh- und Computerkurse statt.
Wir waren sehr begeistert von der Offenheit der Herzlichkeit der Menschen, die wir hier kennen gelernt haben und der Tankrucksack ist voll von Kleinigkeiten, die uns für die Reise mitgegeben wurden (Brot, Äpfel, getrocknetes Obst und Nüsse, eingemachte Aprikosen…).
Morgen soll es nach Samarkand in Usbekistan gehen. Die Hitze führt dazu, dass wir uns gerade etwas langsamer fortbewegen und die Tage ruhig angehen lassen, aber wir haben ja schließlich Urlaub
Montag, 2. Juli 2012
Der Tunnel des Schreckens
Nord- und Süd-Tadschikistan sind durch ein Gebirge voneinander getrennt, das es zu überwinden gilt.
Die Strecke hat uns schon lange vor Antritt der Reise beschäftigt.
Von Duschanbe bis zum Anzob-Pass ist die Straße sehr gut ausgebaut und auch danach soll sie in bestem Zustand sein. Dazwischen liegt das Stück, das aktuell von chinesischen Bautrupps bearbeitet wird und von dem jeder Reisende erzählt. DER Tunnel! Fünf Kilometer, die den Adrenalin-Spiegel zum Überschwappen bringen. Man hört von Dunkelheit, schlechter Luft, Ventilatorengetöse, tiefen wassergefüllten Löchern und Eisen, die aus dem Boden ragen.
Zuerst haben wir versucht den Tunnel zu umfahren. Es gibt eine ca. 45 km lange Passstraße, die offiziell gesperrt ist. Seit es den Tunnel und damit die Abkürzung durch die Berge gibt, wird die Straße nicht mehr gepflegt. Aber gut – was sind schon schlechte Straßen bei Geländebereifung, fahr'n wir halt mal hoch. Die Straße war nicht allzu dramatisch, bis auf ein paar kurze Geröllstücke, die nicht hätten sein müssen. Auf 3.300-paarzerquetschten Metern dann der Pass – und nach dem Pass…. Schnee. Gerade mal 40 Zentimeter Weg waren noch zu sehen und dann ein Stück ganz ohne Weg. Das hieß dann leider doch umkehren, die 22 km wieder runterfahren und seelisch und moralisch auf den Tunnel einstellen.
Vor dem Tunnel hieß es stehenbleiben, Scheinwerfer säubern, Sonnenbrille einpacken, Visier putzen, Tuch über Mund und Nase ziehen und auf Autos warten, an die man sich ranhängen kann. Und dann geht's los. Und wie war der Tunnel? Leider war keine der Geschichten übertrieben. Unter Psychostress durch schlechte Luft. Lärm und Dunkelheit weicht man Löchern, Baustellen und chinesischen Bauarbeitern aus und versucht in Bewegung zu bleiben.
Am Ende erwartet einen ein weiterer umwerfender Blick auf die Berge, die möglicherweise jeden Tag ein kleines Stückchen höher werden durch die Felsbrocken, die Touristen nach der Holperfahrt vom Herzen fallen.
Sonntag, 1. Juli 2012
Steigerung
Aber was kommt bekanntlich nach Dreck …. Dreckiger. Kaum war ich ein bisschen staubfrei, kamen wir auf den schlechtesten Teil der Strecke, den wir in den letzten zwei Wochen gesehen haben. Abwechselnd roter und brauner Staub und LKWs ohne Ende, so dass man der Staubfahne nicht mal ausweichen kann. Dazu Temperaturen von 38/39°C. Super! Gestern Abend waren wir froh in Duschanbe anzukommen und eine Dusche zu haben. Jetzt sitzen wir gerade in einem angenehm schattigen Innenhof und können uns noch nicht so recht entscheiden wieder in unsere verstaubten Klamotten zu steigen und aufzubrechen.
Freitag, 29. Juni 2012
Frühling, Sommer...
Schön waren sie, die Tage in luftigen Höhen. Wir sind wieder in der „Ebene" (auf ca. 1.600 Metern) und die 30°C-Marke haben wir irgendwann heute Mittag überschritten. Dazu kommt, dass die Straße sehr staubig ist und wir von oben bis unten gleichmäßig paniert sind. Der nächste hübsche See, den wir passieren, gehört mir! Dann lege ich mich samt Stiefeln und Helm rein und warte bis ich durch und durch nass bin. Anders werde ich den Dreck wohl nicht mehr los.
Wir sind unterwegs in Richtung Duschanbe und fahren die ganze Zeit am Panj-Fluss entlang, der immer breiter und gewaltiger wird. Es macht Spaß, während der Fahrt die andere Flussseite – Afghanistan – zu beobachten. Während sich hier eine mehr oder weniger gut befahrbare Straße befindet, schlängelt sich dort ein Eselspfad über die Hänge
Donnerstag, 28. Juni 2012
Vakhan-Korridor
Wir sind in Chorog und brauchen dringend wieder eine Pause. Die letzten zwei Tage im Vakhan-Korridor waren unglaublich beeindruckend. Der Weg hat uns zuerst durch eine völlige Einöde mit Salzseen unter blauem Himmel, Bergbächen, Weitblick und tollen Schotterpisten geführt, dann kamen wir in ein Tal mit grünen blühenden Oasen am breiten Panj-Fluss. Auf der einen Seite Tadschikistan, auf der anderen Seite des Flusses Afghanistan und der Hindukusch mit schneebedeckten Sechstausendern.
Einhändig fahren können wir jetzt perfekt – immerzu steht jemand an der Straße und winkt, Kinder und Hunde laufen einem hinterher und jeder nickt uns freundlich zu. Nach den recht eintönigen Tagen in den Bergen, in denen das Grau-braun der Felsen nur durch das Blau des Himmels und der Seen unterbrochen wurde, überschlagen sich hier die Farben. Die Felder sind grün, der Raps blüht, die Frauen tragen bunte Tücher in leuchtenden Farben, die Männer farbenfrohen Pamirhüte.
Chorog ist eine Bildungsoase mit einer von Aga Khan unterstützten Universität. Es gibt viele junge Leute und die meisten sprechen Englisch. Außerdem ist der Ort Dreh- und Angelpunkt aller Pamir-Reisenden. Den Abend haben wir in einem indischen Restaurant verbracht. Bruno, Matthias, Milan und Christoph sind mit ihren KTMs unterwegs nach Murghab und Laurence erwandert sich die Gegend. Außer uns waren noch etwa 15 weitere Touristen dort. Es werden Informationen über die Strecke, Übernachtungsmöglichkeiten usw. ausgetauscht. Morgen werden wir hier einen gemütlichen Tag im Park, auf dem Basar oder am Fluss verbringen.
Mittwoch, 27. Juni 2012
Murghab
Die Nacht auf 4.000 Metern Höhe war nicht unbedingt eine unserer Besten. Der schnelle Aufstieg macht einem doch zu schaffen. Schon das Packen der Motorräder lässt einen außer Atem kommen – diese Fahrradfahrer haben wirklich einen Sockenschuss!
Der nächste Pass nach Karakul ist der höchste der Strecke. Bei 4.655 Metern und -1°C hatten wir keinerlei Probleme. Die Motorräder fahren, als hätten sie nie etwas anderes getan und die Sonne sorgt dafür, dass einem die Luft gar nicht so kalt vorkommt. Die Landschaft der letzten zwei Tage ist übrigens der absolute Hammer. Es gibt alles nur Erdenkliche zu sehen. Meistens fahren wir in einer Hochebene, die von schnellbedeckten Gipfeln eingerahmt wird. Die jetzt fast trockenen Flussbetten sind so breit, dass ich mir gar nicht vorstellen kann, wie viel Wasser sie nach der Schneeschmelze führen können. Die Farben der Felsen variieren von grau über blau-grün bis zu einem tiefen rot-braun. Manchmal sieht man große Herden Yaks oder Schafe und nur hin und wieder kommt einem ein Auto oder Lastwagen entgegen. Das einzige Problem ist: im Foto lassen sich diese Ausblicke kaum erfassen.
Gegen Mittag – bei inzwischen wieder 12-15°C - waren wir in Murghab. Hier gibt es eine Bank (letzte Nacht hat uns der Engländer mit Samoni ausgeholfen), einen Bazar und ein paar Tankstellen, wobei hier etwas abenteuerlicher getankt wird als sonst. Neben der Zapfsäule, die nur als Kulisse dient, liegen Fässer mit 80er-Benzin, das in eine Kanne gezapft und über einen Trichter mit Filter in die Fahrzeuge gefüllt wird.
Auch heute sind wir wieder einigen Radfahrern begegnet - ganz schön touristisch hier. Sogar die Kinder auf der Straße sind schon voll auf Touristen eingestellt. Ständig hört man „Foto – Money" oder „Hello Tourist". Damit an dieser Stelle aber keine falsche Vorstellung der Tadschiken aufkommt: Meist sind die Menschen interessiert, fragen wo man herkommt und wo man hinwill und gehen wieder ihres Weges. Keiner ist aufdringlich oder nervig, alle sind super-freundlich und man bekommt immer Hilfe, wenn man darum bittet.
100 km hinter Murghab sind wir dann - dank eines Tipps unterwegs - wieder in einem Homestay abgestiegen. Es gab Tee, heiße Suppe, selbst gebackenes Brot und eine heiße Dusche in der Banja.
Morgen biegen wir von der Hauptstrecke des Pamir-Highways ins Vakhan-Tal ab, das entlang des Panj-Flusses an der afghanischen Grenze verläuft.
Über die Pässe
Von Osh aus sind es noch etwa 230 km bis zur tadschikischen Grenze. In Osh hatten wir schönstes Wetter bei ca. 25°C. Der erste Pass hat uns auf 3.600 Meter geführt und auf dem Weg dorthin wurde es merklich kühler, so dass wir nach und nach die Jacken mit Innenfutter ausgestattet haben. Sary-Tash ist der letzte Ort auf kirgisischer Seite, in dem man tanken und einkaufen kann – wobei Ort eigentlich übertrieben ist. Mitten in der Ebene liegt eine Ansammlung von Häusern. An der Tankstelle gibt es nur Benzin mit 80 Oktan und die drei Cafés sind eher kleine Supermärkte mit begrenzter Auswahl. Dank der Tochter der Tankwärterin (oder wie immer die weibliche Form eines Tankwarts heißt), haben wir sogar Brot bekommen, das wir alleine trotz Nachfrage nicht finden konnten. Ein paar Kilometer nach dem Ort haben wir uns dann eine Brotzeit mit frischem Fladenbrot, Salami (gibt's glaube ich überall auf der Welt) und geräuchertem Käse gegönnt und die Winterklamotten ausgepackt.
Nach einem Schwätzchen mit einem englisch-amerikanischen Paar, die auf einer Dakar aus Tadschikistan kamen, sind wird dann links in die Berge abgebogen. Die Straße wurde schlechter und führte uns stetig bergauf, es fing an zu regnen. Die kirgisische Grenze liegt etwas auf 3.800 Meter Höhe. Danach kommen 18 km Niemandsland mit furchtbar schlechter Piste. Dort trafen wir zwei Spanier auf Fahrrädern, jede Menge Murmeltiere und ein paar Jaks. Die tadschikische Grenze passiert man dann auf 4.200 Metern. Die Beamten waren freundlich, es wurden ein paar handschriftliche Eintragungen in zwei abgegriffene Bücher gemacht, ein Zettelchen zum Mitnehmen ausgefüllt und schwups waren wir drüben. Und das Beste: Sonne! Bei 4°C ging's dann noch weitere 50 km nach Karakul, dem Ort am gleichnamigen See. Wir hatten überlegt zu zelten, sind dann aber doch in eines der vielen Homestays eingezogen. In dem großzügigen Zimmer lag schon ein Engländer (auch mit dem Fahrrad unterwegs) und es gab Türme von Matten und Decken, in denen man sich einmummeln kann. Es gab frischen Tee und uns wurde eine Abendessen angeboten, dass wir aber dankend abgelehnt haben – 1. hatten wir noch jede Menge Picknick-Reste und 2. wollten wir erst mal schauen was es in solchen Unterkünften gibt (der Engländer hat eine Riesen-Portion Nudeln und Kartoffeln bekommen). Nette Sache diese Homestays. Für 5 Euro pro Person gibt's Unterkunft und Verpflegung – wir werden die Augen offen halten.
Samstag, 23. Juni 2012
Freier Tag in Osh
Wir haben unseren freien Tag in Osh genossen, sind stundenlang durch die endlosen Gassen des Bazars gelaufen und durch die Stadt spaziert. Es gibt einen Vergnügungspark, der zwar schon bessere Zeiten gesehen hat, trotzdem aber ausgiebig genutzt wird. Kinder fahren auf altersschwachen Karussells ihre Runden, die Männer spielen Schach und die Jugend singt Karaoke. Überall gibt es lecker duftendes Schaschlik und Kebab, frisches und getrocknetes Obst aus Usbekistan und Brot, dass in interessanten Lehmöfen gebacken wird.
Zwischendurch sind wir immer mal wieder ins Hotel zurückgegangen, um uns im klimatisierten Zimmer ein wenig abzukühlen. So macht man Urlaub vom Urlaub.
Von Osh geht es jetzt bald auf den eigentlichen Pamir-Highway, den wir in den kommenden Tagen befahren wollen. Die nächsten Stationen sind Sary-Tash, kurz vor der tadschikischen Grenze, die auf über 4.000 Metern liegt, und Murghab, der Siedlung, in der man die letzten wichtigen Einkäufe erledigen sollte. Auf dem Weg dorthin kommen wir am Kara-Kul-See vorbei, einem Salzsee, der zu den höchsten Seen der Welt gehört und wir passieren den höchsten Pass der Strecke, der auf 4.655 Metern liegt.
Der Pamir-Highway ist übrigens keine Schnellstraße, wie man es dem Namen nach vermuten könnte, sondern eine Rumpelpiste durch die Berge des Pamirs, die größtenteils auf Höhen zwischen 3.800 und 4.200 Metern verläuft – deswegen „high“.
Es kann sein, dass wir uns erst wieder in Khorugh melden können, also macht Euch keine Sorgen, wenn die nächsten Tage keine Nachrichten von uns kommen.
Modenschau
Solltet Ihr einmal geniale Passstraßen mit umwerfender Aussicht suchen – dann fahrt nach Kirgistan! Die Strecke zwischen Bishkek und Osh ist ein Traum für jeden Motorradfahrer: Pässe über 3.000 Meter, top Asphalt, wenig Verkehr und die Landschaft ist der Hammer - grüne Hügel, schroffe Felsen, schneebedeckte Gipfel, türkisgrüne Seen und dazwischen Viehherden und Jurten vor denen Kumys (gegorene Stutenmilch) und Kurt (getrocknete Käsekugeln) verkauft werden. Die Dinger sind übrigens so hart, dass man nicht draufbeißen sollte. Man schiebt sie einfach in die Backe und irgendwann zerbröckeln sie. Sehr salzig, aber gar nicht mal übel, wenn man sich an den ersten Geschmack gewöhnt hat.
Wettertechnisch kamen wir uns heute vor wie bei einer Modenschau. Los ging’s bei ca. 20°C in Sommerklamotten. Im Schatten der Berge wurde es aber recht schnell frisch – also Membran in die Jacke. Irgendwann fing es an zu regnen – Regenklamotten raus. Schon nach kurzer Zeit war der Regen wieder vorbei und im nächsten Tal wurde es so warm, dass wir alles wieder eingepackt haben. Mittags war die Temperatur bei über 30°C – Schluss mit Abkühlung. Gegen Abend dann wieder Regen, den wir zuerst versucht haben zu ignorieren, da es noch zu warm war für eine zusätzliche Schicht Jacke und Hose, aber irgendwann siegte der Wunsch, nicht in nassen Motorradklamotten zu enden, also wieder anhalten und anziehen. Der Regen war so stark, dass wir kurz vor Osh in einen kleinen Stau geraten sind, ein Fluss hatte die Straße überschwemmt. Da es schon spät und fast dunkel war blieb auch uns nichts übrig als durch die braune Brühe zu fahren. Mittendrin mussten wir einmal anhalten, da wir einen LKW vorbeilassen mussten, aber dank Gore Tex blieben sogar die Füße trocken.
Ach ja – heute war Touristentag. Zuerst sind wir einer internationalen Gruppe Motorradfahrer begegnet, die gerade auf den letzten Kilometern einer 2-wöchigen Pamirtour waren, dann haben wir zwei Holländer auf dem Fahrrad getroffen und Christian, der mit seiner BMW die Welt umrundet.
Jetzt sind wir in einem netten kleinen Hotel in Osh und gönnen uns einen Tag Pause.
Gute Fahrt in Kirgistan
Donnerstag, 21. Juni 2012
Der Plan für heute war: Grenze überqueren, erste Pässe fahren und in der Höhe ein bisschen von der Steppenhitze erholen. Soweit der Plan!
Der Weg zur Grenze war kein Problem und zuerst sah alles harmlos aus. Yeldos meinte gestern wir sollen nur unsere Pässe und Fahrzeugscheine zeigen, der Rest wird sie nicht interessieren, z.B. die Zollpapiere. Tja, leider weit gefehlt! Die erste Frage war: Wo sind die Zollpapiere? Und damit fing die Rennerei an…
Nach knapp vier Stunden in verschiedenen Büros, mit Diskussionen, Erklärungen, Fragen und Telefonaten sah es so aus, als müssten wir uns auf einen Kasachstan-Urlaub einstellen. Die Papiere, die wir von der Spedition bekommen hatten, waren nicht ausreichend und eine Ausreise der Motorräder auf offiziellem Weg war so gut wie unmöglich. Eine weitere Stunde später standen wir dann doch samt Motorrädern auf kirgisischer Seite der Grenze – manchmal tun sich Wege und Möglichkeiten auf, die man offiziell als inoffiziell bezeichnen könnte.
In Kirgistan führte uns der erste Weg in einen der zahlreichen Läden an der Straße, um Zutaten für eine ordentliche Brotzeit einzukaufen. Bei Anbruch der Dunkelheit haben wir unser Zelt am Fuße der ersten Berge aufgebaut und unter einem richtig schönen Sternenhimmel an einem Rauschebach unweit der Passstraße zu Abend gegessen.
Morgen versuchen wir die verloren Zeit wieder einzufahren und schrauben uns weiter in die Höhe.
Freitag, 22. Juni 2012
Gute Fahrt in Kirgistan
Der Weg zur Grenze war kein Problem und zuerst sah alles harmlos aus. Yeldos meinte wir sollen nur unsere Pässe und Fahrzeugscheine zeigen, der Rest wird sie nicht interessieren, z.B. die Zollpapiere. Tja, leider weit gefehlt! Die erste Frage war: Wo sind die Zollpapiere? Und damit fing die Rennerei an…
Nach knapp vier Stunden in verschiedenen Büros, mit Diskussionen, Erklärungen, Fragen und Telefonaten sah es so aus, als müssten wir uns auf einen Kasachstan-Urlaub einstellen. Die Papiere, die wir von der Spedition bekommen hatten, waren nicht ausreichend und eine Ausreise der Motorräder auf offiziellem Weg war so gut wie unmöglich. Eine weitere Stunde später standen wir dann doch samt Motorrädern auf kirgisischer Seite der Grenze – manchmal tun sich Wege und Möglichkeiten auf, die man offiziell als inoffiziell bezeichnen könnte.
In Kirgistan führte uns der erste Weg in einen der zahlreichen Läden an der Straße, um Zutaten für eine ordentliche Brotzeit einzukaufen. Bei Anbruch der Dunkelheit haben wir unser Zelt am Fuße der ersten Berge aufgebaut und unter einem richtig schönen Sternenhimmel an einem Rauschebach unweit der Passstraße zu Abend gegessen.
Heute versuchen wir die verloren Zeit wieder einzufahren und schrauben uns weiter in die Höhe.
Mittwoch, 20. Juni 2012
Almaty
Der Weg hat uns zuerst noch ein ganzes Stück am See entlang geführt (Bild 1). Immer wieder sind wir an Viehherden - Pferde, Schafe, Kamele und Dromedare (Bild 2) –vorbeigekommen. Mittags waren dann ca. 100 km vor Almaty zum ersten Mal die Berge zu sehen. Unter eine Wolkendecke konnte man die schneebedeckten 4000-er erkennen. Schöner Anblick, wenn einem gleichzeitig bei über 30°C der Hintern in der Motorradhose kocht.
In Almaty waren wir mit Yeldos verabredet. Der Kontakt zu ihm ist über Jurgen aus Belgien zustande gekommen, den wir vor zwei Jahren in Russland und der Mongolei kennen gelernt haben. Dank Facebook ist die Welt ja ein ganzes Stück näher zusammen gerückt und so hat Yeldos uns in sein Restaurant in Almaty eingeladen. Er ist unter Motorradfahrern inzwischen schon recht bekannt - viele fahren vorbei, wenn Sie Hilfe bei der Reparatur Ihrer Motorräder brauchen, Teile nach Kasachstan geschickt werden sollen oder man einfach mal wieder Lust auf eine gute Pizza und ein nettes Gespräch hat. Yeldos weiß sehr viel über die Völker Zentralasiens und kann einen Tag locker mit Berichten, Informationen und Geschichten füllen.
Wir hatten einen tollen (und langen) Abend, wissen jetzt deutlich mehr über Land und Leute und wenn die Zeit reicht, werden wir ihn auf dem Rückweg noch einmal besuchen.
Morgen wollen wir über die Grenze nach Kirgistan fahren und es geht das erste Mal in die Höhe. Dort oben soll es noch recht frisch sein, aber nach den heißen Tagen in der Steppe freuen wir uns auf die Abkühlung.
Dienstag, 19. Juni 2012
Begegnungen
Gegen 15.30 Uhr sind wir in unsere erste Polizeikontrolle geraten. Der Herr von der Immigration war recht schnell zufrieden gestellt, Pass und Immigrationskarte waren in Ordnung. Der Herr von der Straßenpolizei dagegen war etwas schwieriger. Da mein Beamtenrussisch nicht allzu ausgereift ist, hat es eine Weile gedauert, bis wir uns verständigt hatten. Schlussendlich lief es darauf hinaus, dass eine Versicherung – wohlgemerkt eine kasachische – fehlte. In der Regel bekommt man diese, wenn man über die Grenze fährt. Da unsere Motorräder per Spedition ins Land transportiert wurden, kam die Frage nach der Versicherung nie auf und unser Büro wusste auch nix davon.
Tja – das Wort „Straf" fiel recht schnell, ich wollte es aber vorerst nicht verstehen. Während der Diskussion mit dem Polizisten - er hatte unsere Führerscheine und Fahrzeugpapiere eingesackt - kamen zwei russische Motorradfahrer, deren Papiere offensichtlich in Ordnung waren, sie hatten besagte Versicherung.
Der Polizist wollte als Strafe 500 Dollar haben, die wir natürlich nicht zahlen wollten. Der eine Motorradfahrer fing an, mit dem Polizisten zu diskutieren und konnte ihn auf 100 Dollar runterhandeln. Eigentlich wollten wir stur bleiben und nicht zahlen, aber der Russe meinte, er würde zahlen, weiter runterhandeln hält er für aussichtslos. Nach einigen Diskussionen und Bemühungen meinerseits an die kasachische Gastfreundschaft der Miliz zu appellieren, hat Oke ihm 50 Euro hingehalten und sich die Papiere geschnappt.
Nach weiteren 1 ½ Stunden, in denen uns die Jungs halfen das Versicherungsbüro der Stadt zu finden und die richtige Police zu bekommen, hatten wir dann endlich die Versicherungsscheine, so dass uns in weiteren Kontrollen nichts mehr passieren kann.
Wir haben die Jungs zum Abendessen eingeladen und zusammen mit Ihnen unsere Zelte an einem wunderschön grün-blauen See aufgebaut. Morgen werden wir wohl noch ein Stück zusammen fahren, bis sich unsere Wege wieder trennen.
Ein neuer Tag bricht an
Wir sind gestern Abend noch lange gefahren und haben entschieden zu zelten. Mitten in den grünen Hügeln, in denen es nach Thymian duftet, haben wir ein schönes Plätzchen gefunden, Anti-Mücke aufgelegt (wir haben noch das gute Zeug aus Russland) und unser Zelt aufgeschlagen.
Jetzt sitzen wir bei gefühlten 28 Grad in der Sonne und essen - na was schon - Piroggen.
Apropos Essen: Schon am ersten Tag waren wir auf dem Bazar und haben Samza (gefüllte Blätterteigtaschen) mit Käse bzw. Kartoffeln und Huhn gegessen und Oke hatte sein erstes Hammelschaschlik. Gestern gab es Hammel auf kasachische Art und ich habe Manty (mit Hack gefüllte Nudeltaschen) gegessen, die leider auch mit Hammel gefüllt waren. Ich kann mich mit diesem Tier in gekochter Form einfach nicht anfreunden.
Im süßen Bereich haben wir aber etwas sehr Feines entdeckt: Tschak-Tschak. Man frittiere Teig in Spätzle-Form und lege ihn dann in Honig ein. Ist gar nicht so süß wie es sich anhört, aber sehr lecker und unglaublich nahrhaft.
So, jetzt müssen wir aber los, kleine Fliegenschwärme nehmen schon die Motorräder in Beschlag - ein deutliches Zeichen aufzubrechen.
Montag, 18. Juni 2012
Yeah!
Sonntag, 17. Juni 2012
Guten Morgen aus Kasachstan
Samstag, 16. Juni 2012
Jetzt geht's los
Naja, das Wetter ist mal wieder blöde und in Astana ist es sonnig und warm - wir machen uns auf die Reise. Schön, dass uns so viele begleiten wollen, wir hoffen, wir können uns hin und wieder melden und Euch ein bisschen Erholung rüberschicken.
Freitag, 15. Juni 2012
Morgen geht's los
Unsere Motorräder haben wir schon im Mai auf die Reise geschickt. Oke hat bei den Nachbarn zwei schicke Ikea-Paletten abgestaubt, alles verzurrt und verladen. Dann ging's nach Fulda zur Spedition und am 22. Mai per LKW Richtung Osten. Letzte Info von heute Nachmittag war, dass die Motorräder gut angekommen sind, die Verzollung geklappt hat (zumindest haben wir das so verstanden) und wir am Montag die Kollegen in Schutschinsk treffen. Mal sehen wie es dann vor Ort tatsächlich aussieht und wann wir starten können.
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| Christi Himmelfahrt - Verladen der Motorräder für den Transport nach Kasachstan |
Donnerstag, 7. Juni 2012
Die Tour
Vor uns liegen vier Wochen Urlaub, in denen jeden Tag alles anders kommen kann als geplant. Ihr dürft gespannt sein!













