Sonntag, 1. Juli 2012
Nord- und Süd-Tadschikistan sind durch ein Gebirge voneinander getrennt, das es zu überwinden gilt.
Die Strecke hat uns schon lange vor Antritt der Reise beschäftigt.
Von Duschanbe bis zum Anzob-Pass ist die Straße sehr gut ausgebaut und auch danach soll sie in bestem Zustand sein. Dazwischen liegt das Stück, das aktuell von chinesischen Bautrupps bearbeitet wird und von dem jeder Reisende erzählt. DER Tunnel! Fünf Kilometer, die den Adrenalin-Spiegel zum Überschwappen bringen. Man hört von Dunkelheit, schlechter Luft, Ventilatorengetöse, tiefen wassergefüllten Löchern und Eisen, die aus dem Boden ragen.
Zuerst haben wir versucht den Tunnel zu umfahren. Es gibt eine ca. 45 km lange Passstraße, die offiziell gesperrt ist. Seit es den Tunnel und damit die Abkürzung durch die Berge gibt, wird die Straße nicht mehr gepflegt. Aber gut – was sind schon schlechte Straßen bei Geländebereifung, fahr'n wir halt mal hoch. Die Straße war nicht allzu dramatisch, bis auf ein paar kurze Geröllstücke, die nicht hätten sein müssen. Auf 3.300-paarzerquetschten Metern dann der Pass – und nach dem Pass…. Schnee. Gerade mal 40 Zentimeter Weg waren noch zu sehen und dann ein Stück ganz ohne Weg. Das hieß dann leider doch umkehren, die 22 km wieder runterfahren und seelisch und moralisch auf den Tunnel einstellen.
Vor dem Tunnel hieß es stehenbleiben, Scheinwerfer säubern, Sonnenbrille einpacken, Visier putzen, Tuch über Mund und Nase ziehen und auf Autos warten, an die man sich ranhängen kann. Und dann geht's los. Und wie war der Tunnel? Leider war keine der Geschichten übertrieben. Unter Psychostress durch schlechte Luft. Lärm und Dunkelheit weicht man Löchern, Baustellen und chinesischen Bauarbeitern aus und versucht in Bewegung zu bleiben.
Am Ende erwartet einen ein weiterer umwerfender Blick auf die Berge, die möglicherweise jeden Tag ein kleines Stückchen höher werden durch die Felsbrocken, die Touristen nach der Holperfahrt vom Herzen fallen.