10:00 Ortszeit Kasachstan - was haben wir bisher erlebt? Nachdem Oke wegen eines geschmuggelten Messers fast an der Sicherheitskontrolle gescheitert wäre (hätte ihm der Beamte nicht gesagt, dass er ein Messer dabei hat, wäre er nie darauf gekommen es in dieser Tasche zu suchen), sind wir pünktlich gestartet. Der Flug war okay, die Nacht deutlich zu kurz, da man uns unterwegs vier Stunden geklaut hat. Um 5 Uhr Ortszeit waren wir in Astana, der Hauptstadt Kasachstans, die mitten in der Steppe hochgezogen wurde und ein bisschen an Dubai erinnert. Hier werden glaube ich sämtliche Architekturexperimente umgesetzt, die in anderen Hauptstädten dieser Welt als zu gewagt abgelehnt wurden. Heute haben wir leider keine Zeit uns die Stadt genauer anzuschauen, aber wir kommen ja spätestens für den Rückflug wieder hierher.
Unsere Motorräder stehen in Schutschink, ca. 200 km nördlich von Astana. Der Plan ist dort heute noch hinzukommen, bisher wussten wir aber noch nicht genau wie. Nach hartnäckigen Verhandlungen mit einem Taxifahrer haben wir beschlossen, dass 160 deutlich über der Tagesgrenze unseres Urlaubsbudget liegen und wir uns um öffentliche Verkehrsmittel bemühen. Drei freundliche Damen hinter einem Schalter konnten mir zum Glück weiterhelfen - mit dem Zug Nummer 10 in 45 Minuten zum Bahnhof und dann am besten mit der "Elektritschka" (sowas wie eine Stadtbahn) oder dem "Eisernen Weg" (der Eisenbahn) weiter nach Schutschinsk. Gesagt getan - der Bus war leicht zu finden, die Fahrt günstig (ca. 35 Cent pro Person). Am Bahnhof dann die nächste Herausforderung - wie kommen wir nach Schutschinsk? Zum Glück haben wir in den letzten Stunden im Russisch-Kurs die Lektion "Auf der Reise" durchgenommen. Prima, wenn der Unterricht direkt in einer Anwendung endet - das nenne ich mal nachhaltiges Lernen mit praktischen Übungen.
Eigentlich funktionieren Bahnhöfe auf der ganzen Welt gleich, was man schnell lernen muss ist wie die Warteschlagen funktionieren. Während der Zeit in der Schlange konnte ich meinen Wortschatz mit einigen Vokabeln aus dem Bereich "Ausreden um schneller dranzukommen" aufstocken. Mir war's Wurscht, wir haben ja Zeit. Am Ende hatte ich zwei schicke Karten, die genau aussahen wie im Lehrbuch und wir konnten unsere knapp 60 kg Gepäck zum Bahngleis schleppen. Bin ich froh, wenn wir endlich unsere Motorräder haben, die uns die Schlepperei abnehmen. Naja - jetzt sitzen wir mit leckeren Piroggen im Zug, weit und breit ist nur Steppe unter blauem Himmel zu sehen und ich probiere, ob das mit dem kasachischen Netz funktioniert und ich Euch diese Sonntagmorgen-Geschichte schicken kann.