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Samstag, 23. Juni 2012

Freier Tag in Osh

Samstag, 23. Juni 2012
Wir haben unseren freien Tag in Osh genossen, sind stundenlang durch die endlosen Gassen des Bazars gelaufen und durch die Stadt spaziert. Es gibt einen Vergnügungspark, der zwar schon bessere Zeiten gesehen hat, trotzdem aber ausgiebig genutzt wird. Kinder fahren auf altersschwachen Karussells ihre Runden, die Männer spielen Schach und die Jugend singt Karaoke. Überall gibt es lecker duftendes Schaschlik und Kebab, frisches und getrocknetes Obst aus Usbekistan und Brot, dass in interessanten Lehmöfen gebacken wird.
Zwischendurch sind wir immer mal wieder ins Hotel zurückgegangen, um uns im klimatisierten Zimmer ein wenig abzukühlen. So macht man Urlaub vom Urlaub.

Von Osh geht es jetzt bald auf den eigentlichen Pamir-Highway, den wir in den kommenden Tagen befahren wollen. Die nächsten Stationen sind Sary-Tash, kurz vor der tadschikischen Grenze, die auf über 4.000 Metern liegt, und Murghab, der Siedlung, in der man die letzten wichtigen Einkäufe erledigen sollte. Auf dem Weg dorthin kommen wir am Kara-Kul-See vorbei, einem Salzsee, der zu den höchsten Seen der Welt gehört und wir passieren den höchsten Pass der Strecke, der auf 4.655 Metern liegt.
Der Pamir-Highway ist übrigens keine Schnellstraße, wie man es dem Namen nach vermuten könnte, sondern eine Rumpelpiste durch die Berge des Pamirs, die größtenteils auf Höhen zwischen 3.800 und 4.200 Metern verläuft – deswegen „high“.

Es kann sein, dass wir uns erst wieder in Khorugh melden können, also macht Euch keine Sorgen, wenn die nächsten Tage keine Nachrichten von uns kommen.

Modenschau

Freitag, 22. Juni 2012
Solltet Ihr einmal geniale Passstraßen mit umwerfender Aussicht suchen – dann fahrt nach Kirgistan! Die Strecke zwischen Bishkek und Osh ist ein Traum für jeden Motorradfahrer: Pässe über 3.000 Meter, top Asphalt, wenig Verkehr und die Landschaft ist der Hammer - grüne Hügel, schroffe Felsen, schneebedeckte Gipfel, türkisgrüne Seen und dazwischen Viehherden und Jurten vor denen Kumys (gegorene Stutenmilch) und Kurt (getrocknete Käsekugeln) verkauft werden. Die Dinger sind übrigens so hart, dass man nicht draufbeißen sollte. Man schiebt sie einfach in die Backe und irgendwann zerbröckeln sie. Sehr salzig, aber gar nicht mal übel, wenn man sich an den ersten Geschmack gewöhnt hat.

Wettertechnisch kamen wir uns heute vor wie bei einer Modenschau. Los ging’s bei ca. 20°C in Sommerklamotten. Im Schatten der Berge wurde es aber recht schnell frisch – also Membran in die Jacke. Irgendwann fing es an zu regnen – Regenklamotten raus. Schon nach kurzer Zeit war der Regen wieder vorbei und im nächsten Tal wurde es so warm, dass wir alles wieder eingepackt haben. Mittags war die Temperatur bei über 30°C – Schluss mit Abkühlung. Gegen Abend dann wieder Regen, den wir zuerst versucht haben zu ignorieren, da es noch zu warm war für eine zusätzliche Schicht Jacke und Hose, aber irgendwann siegte der Wunsch, nicht in nassen Motorradklamotten zu enden, also wieder anhalten und anziehen. Der Regen war so stark, dass wir kurz vor Osh in einen kleinen Stau geraten sind, ein Fluss hatte die Straße überschwemmt. Da es schon spät und fast dunkel war blieb auch uns nichts übrig als durch die braune Brühe zu fahren. Mittendrin mussten wir einmal anhalten, da wir einen LKW vorbeilassen mussten, aber dank Gore Tex blieben sogar die Füße trocken.

Ach ja – heute war Touristentag. Zuerst sind wir einer internationalen Gruppe Motorradfahrer begegnet, die gerade auf den letzten Kilometern einer 2-wöchigen Pamirtour waren, dann haben wir zwei Holländer auf dem Fahrrad getroffen und Christian, der mit seiner BMW die Welt umrundet.
Jetzt sind wir in einem netten kleinen Hotel in Osh und gönnen uns einen Tag Pause.

Gute Fahrt in Kirgistan

Anmerkung: Seit wir die kirgisische Grenze passiert haben, ist das mit dem Internet nicht mehr so einfach. Das Roaming über’s Handy funktioniert aus irgendeinem Grund nicht und die Internet-Cafés sind rar. Trotzdem schreiben wir weiter fleißig für Euch und schicken es weg, sobald es geht. 

Donnerstag, 21. Juni 2012
Der Plan für heute war: Grenze überqueren, erste Pässe fahren und in der Höhe ein bisschen von der Steppenhitze erholen. Soweit der Plan!
Der Weg zur Grenze war kein Problem und zuerst sah alles harmlos aus. Yeldos meinte gestern wir sollen nur unsere Pässe und Fahrzeugscheine zeigen, der Rest wird sie nicht interessieren, z.B. die Zollpapiere. Tja, leider weit gefehlt! Die erste Frage war: Wo sind die Zollpapiere? Und damit fing die Rennerei an…

Nach knapp vier Stunden in verschiedenen Büros, mit Diskussionen, Erklärungen, Fragen und Telefonaten sah es so aus, als müssten wir uns auf einen Kasachstan-Urlaub einstellen. Die Papiere, die wir von der Spedition bekommen hatten, waren nicht ausreichend und eine Ausreise der Motorräder auf offiziellem Weg war so gut wie unmöglich. Eine weitere Stunde später standen wir dann doch samt Motorrädern auf kirgisischer Seite der Grenze – manchmal tun sich Wege und Möglichkeiten auf, die man offiziell als inoffiziell bezeichnen könnte.

In Kirgistan führte uns der erste Weg in einen der zahlreichen Läden an der Straße, um Zutaten für eine ordentliche Brotzeit einzukaufen. Bei Anbruch der Dunkelheit haben wir unser Zelt am Fuße der ersten Berge aufgebaut und unter einem richtig schönen Sternenhimmel an einem Rauschebach unweit der Passstraße zu Abend gegessen.

Morgen versuchen wir die verloren Zeit wieder einzufahren und schrauben uns weiter in die Höhe.